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Quo vadis? Bitcoin: 7 wichtige Faktoren, die aktuell den BTC-Kurs beeinflussen

Bislang ist das Jahr 2022 kein gutes für Bitcoin. Der BTC-Kurs ist vor allem in den letzten Wochen heftig abgesackt. Der Zusammenbruch von Terra Luna hat diesen Trend noch weiter verstärkt. Wie es mit der Kryptowährung Nr. 1 weitergehen könnte, wird anhand von sieben Faktoren und Indikatoren aufgezeigt.

Sven Wagenknecht
 |  Lesezeit: 7 Minuten
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Bitcoin Münze und Chart

Beitragsbild: Shutterstock

Aktuell gibt es zwei Sichtweisen auf den Bitcoin-Kurs. Die erste wäre, dass sich Bitcoin trotz seiner Korrektur verhältnismäßig gut schlägt und es eigentlich deutlich schlimmer bei dem Bitcoin-Kurs aussehen müsste. Schließlich befinden wir uns in einer Phase großer makroökonomischer Unsicherheit und schnell steigender Leitzinsen.

Überzeugte Bitcoin-Anhänger wiederum dürften dies genau andersherum sehen und argumentieren, dass Bitcoin gerade aufgrund der Unsicherheit und zunehmenden Inflation – der Ursache für die steigenden Leitzinsen – deutlich stärker andere Anlagen outperfomen müsste.

Bislang zumindest scheint letztere Gruppe noch die Minderheit darzustellen. Würde der Großteil der Marktteilnehmer eine ähnliche Sichtweise teilen, dann würde sich der Bitcoin-Kurs nicht in einer Lethargie befinden.

Wie es mit dem Bitcoin-Kurs in den nächsten Monaten weitergeht, hängt also vor allem davon ab, welches Narrativ sich bei den Anlegern und Anlegerinnen durchsetzt. Um besser einordnen zu können, welche Zugkräfte aktuell auf den Bitcoin-Kurs einwirken und unter anderem für die Prägung der oben beschriebenen Sichtweisen verantwortlich sind, werden nachfolgend sieben wichtige Faktoren aufgelistet, die darüber entscheiden, wie es in den nächsten Monaten beim Bitcoin-Kurs weitergeht.

1) Google: Bitcoin-Suchanfragen stimmen depressiv

Die Bitcoin-Suchanfragen, ergo das Interesse der Menschen an der Kryptowährung, befindet sich auf dem tiefsten Stand seit Dezember 2020. Die Anfragen sind um 79 Prozent zum Höchstwert im Mai 2021 eingeknickt. Mit Blick auf den Google-Chart lässt sich keine Trendwende erkennen. Das geringe Interesse ist ein großer Belastungsfaktor für den Bitcoin-Kurs. Daraus lässt sich wiederum schließen, dass nur wenig neue Investoren in den Krypto-Sektor drängen. Auch für andere Kryptowährungen wie Ethereum sieht es nicht besser aus.

2) Hashrate und Nodes zeigen sich weiterhin unbeeindruckt

Die Hashrate, also die Gesamtrechenleistung des Bitcoin-Netzwerkes, scheint vollkommen unbeeindruckt vom schwierigen Marktumfeld zu sein. Diese kennt nur eine Richtung: gen Norden. Ebenfalls die Anzahl der Bitcoin-Knotenpunkte, der Nodes, bleibt stabil und nimmt tendenziell sogar leicht zu.

Es ist beeindruckend, dass diese technischen Fundamentaldaten derart robust sind und allen negativen Einflussfaktoren trotzen. Ein Umstand, der sehr positiv für die Zukunftsfähigkeit des Bitcoin-Netzwerkes und damit des Kurses stimmt.

3) Mehr Konsum, weniger Investition: Kein Geld für Bitcoin

Der inflationsbedingte Kaufkraftverlust ist inzwischen derart groß, dass dieser die Investitionsentscheidungen vieler Menschen beeinflusst. Gerade niedrigere und mittlere Einkommen sind gezwungen ihre Spar- und Investitionsquote zugunsten der Konsumquote, ergo dem Supermarkteinkauf und der Tankfüllung, zu reduzieren. Als Erstes leiden darunter optionale Risiko Assets. Soll bedeuten: Während Altersvorsorgeverträge oder Bankraten für die eigene Immobilie weiterlaufen, werden liquide Assets mit einem höheren Risikoprofil als erstes reduziert.

Leidtragende sind Tech-Aktien und Kryptowährungen wie Bitcoin. Zumal durch steigende Leitzinsen, als Reaktion auf die Inflation, Assets ohne Cashflow in der Regel schlechter performen als beispielsweise Dividendentitel. Sollte sich die zunehmende Verarmung der Gesellschaft weiter fortsetzen, ist dies ein schwerwiegender Belastungsfaktor für den BTC-Kurs.

4) Makrosituation: Die schwierige Suche nach dem Hoffnungsschimmer

Neben der hohen Inflation drückt auch die politische und makroökonomische Gesamtsituation auf den Finanzmarkt und damit auch auf Bitcoin. Die Lieferengpässe durch den Corona-Lockdown in China sowie die Verunsicherung durch den Ukraine-Krieg, insbesondere mit Hinblick auf die Energie- und Rohstoffversorgung, belastet Risikowerte wie Bitcoin. Zumal diese Faktoren gleichzeitig auch Treiber der Inflation sind.

Bislang fehlt es an zeitnahen Hoffnungsschimmern auf globaler wirtschaftspolitischer Ebene. Die systemischen Risiken sind nach wie vor als hoch einzuschätzen und damit für die Mehrheit der Investoren eine Absage an Bitcoin.

5) Inflationsbedingter Vertrauensverlust bietet Nährboden für Alternativen

Dass man für einen Euro oder einen US-Dollar immer weniger kaufen kann, dürfte wiederum die Offenheit in der Bevölkerung für Alternativen erhöhen. Inzwischen ist die Inflation zu einem Stammtischthema geworden. Es entstehen neue Ängste in der Bevölkerung. Diese wiederum können als Katalysator für Gold, aber eben auch Bitcoin dienen. Selbst zurückhaltenden, konservativen Anlegern fällt es angesichts der hohen Inflation immer schwieriger, ruhig zu bleiben. Dieser erzwungene Aktionismus kann sich in frei werdenden Mitteln für Bitcoin kanalisieren. Bislang jedenfalls schlägt dieser Effekt noch nicht richtig durch. Der aktuelle Eindruck geht mehr in die Richtung: Aussitzen und Nichtstun.

6) Verbotsängste befinden sich in Trendumkehr

Einer der größten Hemmschuhe für Bitcoin in den letzten Monaten war die Regulierungsdebatte. Insbesondere in der EU hatte diese absurde Züge angenommen. Ging es zeitweise gar um ein Bitcoin-Verbot für europäische Dienstleister. Inzwischen ist aber klar: Weder in der EU, noch in den USA wird es zu einer derartigen massiven Einschränkung kommen. Stattdessen werden die Anforderungen an Krypto-Dienstleister weiter erhöht und die Privatsphäre signifikant zurückgedrängt. Sicherlich eine Entwicklung, die man in Teilen kritisch beurteilen kann, doch für den Bitcoin-Kurs kein schlechtes Zeichen.

Die neue regulatorische Sicherheit bietet Banken, Vermögensverwaltungen und anderen Finanzdienstleistern die Möglichkeit, nun auch in den Krypto-Sektor zu investieren. Die belastende Regulierungsdebatte dürfte damit ihren Boden gefunden haben, sodass in den kommenden Monaten mit positiven Auswirkungen zu rechnen ist.

7) Wall Street will Bitcoin

Wohin sich die Kurse von Anlageklassen bewegen, wird vor allem durch die großen Player an der Wall Street entschieden. Die relevanten Institute signalisieren immer deutlicher, dass Krypto teil ihrer Langzeitstrategie ist. Bis sie sich in Bewegung setzen, dauert zwar sehr lange, doch wenn die Prozesse einmal in Gang gesetzt sind, sind sie nur schwer zu stoppen. Als konkretes Beispiel wäre die Akzeptanz von Bitcoin-besicherten Krediten bei der Investmentbank Goldman Sachs zu nennen. Ein anderes Beispiel ist die Bereitschaft des drittgrößten Vermögensverwalters der Welt, Fidelity, seinen Pensionsfonds für Bitcoin zu öffnen. Amerikaner, die ihre betrieblich geförderte Altersvorsorge zukünftig mit Bitcoin bestreiten möchten, haben nun die Möglichkeit dazu. An genau dieser Stelle sitzen die ganz großen Hebel. Derartige Effekte könnten erst in den nächsten Monaten zu signifikanten Mittelzuflüssen führen. Auch kleinere, regionalere Institute wie Commerzbank oder N26 sorgen mit ihren letzten Krypto-freundlichen Ankündigungen für eine wichtige Bitcoin-Unterstützung.

Korrespondierend dazu nehmen die Chancen auf einen Spot Bitcoin ETF kontinuierlich zu. Bislang gibt es in den USA nur Bitcoin ETFs, die auf Futures basieren. Diese ähneln allerdings mehr einer unnötig komplizierten Behelfskonstruktion, die man nur mit großen Einschränkungen weiterempfehlen kann. Wenn auch nicht ETFs, so aber die Auswahl an ebenfalls hochregulierten ETPs respektive ETNs nimmt gerade in Europa deutlich zu. Anbieter wie 21shares, VanEck, Vontobel, ETC Group usw. sorgen für immer mehr kostengünstigere Bitcoin-Verbriefungen und dafür, dass auch “Token-Muffel” Bitcoin in ihrem Wertpapierdepot halten können.

Fazit

Mit Ausnahme der Terra-Luna-Erschütterung sind es aktuell es vor allem externe Faktoren, die Bitcoin stark unter Druck setzen. Soll bedeuten: Innerhalb des Krypto- und Bitcoin-Ökosystems gibt es nur wenige Gründe, die die schlechte Performance erklären. Stattdessen dominieren Themen wie Leitzinserhöhung, Folgen der Inflation sowie politische Unsicherheit das Anlageverhalten der (potenziellen) Bitcoin-Investoren.

Gerade die Folgen einer Stagflation oder gar Rezession, die angesichts des schwierigen Umfeldes ein realistisches Szenario darstellen, können die eigentlich positiven Indikatoren in den Schatten stellen. Bitcoin muss vorerst warten, eine zeitnahe und vor allem nachhaltige Gegenbewegung ist zumindest nicht absehbar. Dennoch steigen mit der Zeit auch die Chancen einer stärkeren Entkopplung. Dies gilt weniger für Altcoins als für Bitcoin.

Sollte das ursprüngliche Bitcoin-Narrativ als Fiat-Alternative und unpolitischer Wertspeicher mit eingebauten Inflationsschutz immer mehr Popularität unter Investoren erhalten, dann kann die Stimmung zugunsten Bitcoins drehen. Wann und ob diese Trendumkehr geschieht, lässt sich allerdings kaum vorhersagen. Natürlich bezieht diese Aussage, wie auch die gesamte Analyse, keine charttechnische Beurteilung mit ein. Diese bleiben unberücksichtigt.

Disclaimer: Die Aussagen im Artikel geben lediglich die persönliche Meinung des Autors wieder und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.

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