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Status quo Bitcoin-Marktausblick 2022: Neues Jahr, neue Allzeithochs?

Die erhoffte Jahresendrallye mit neuen Allzeithochs bei Bitcoin und Co. ist ins Wasser gefallen. Die sehr hohen Erwartungen wurden enttäuscht. Was das makroökonomische Umfeld, die technische Adoption und das Stock-to-Flow-Modell über den Bitcoin-Kurs in 2022 aussagen.

Sven Wagenknecht
 |  Lesezeit: 4 Minuten
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Bitcoin Marktausblick für 2022

Wenn man die charttechnischen Faktoren außer Acht lässt und sich nur auf die fundamentalen Rahmenbedingungen konzentriert, dann dürfte vor allem die amerikanische Notenbank Federal Reserve (kurz: Fed) für die schwachen Kurse bei Bitcoin verantwortlich sein. Als Reaktion auf die stark steigende Inflation sieht sich diese nun gezwungen, eine Trendumkehr einzuleiten. Weniger Liquidität für die Märkte und höhere Zinsen sind die Folge und damit auch eine klare Benachteiligung für Risiko-Assets.

Auch wenn das nicht jeder so sehen mag, so wird Bitcoin von der Marktallgemeinheit als Hochrisiko-Asset eingestuft. In Folge der restriktiveren Notenbankpolitik kommt es damit genauso unter die Räder wie unprofitable Tech-Aktien.

Inflation als Gefahr für Bitcoin

So paradox es für viele klingt: Die größte Gefahr für das Anti-Inflationsasset Bitcoin ist die aktuell hohe Inflation. Langfristig mag BTC von einer hohen Inflation und der daraus folgenden Konvertierung vieler Anleger von Fiat zu Krypto profitieren. Kurz- bis mittelfristig ist allerdings das Gegenteil der Fall. Wertet der US-Dollar auf und steigen die Zinsen, dann ist das traditionell schlecht für Gold und letztlich eben auch für Bitcoin, der bezüglich seiner Markteigenschaften zwischen dem physischen Edelmetall und Tech-Aktien pendelt.

Wenn die Attraktivität von Staatsanleihen beziehungsweise Geldwerten zunimmt, dann schadet das Cashflow-losen Assets wie Gold und Bitcoin. Gleichzeitig erhöhen sich perspektivisch die Finanzierungskosten für Unternehmen. Darunter leiden dann vor allem die Unternehmen, die keine Gewinne erwirtschaften. Das kann unter anderem als Grund angeführt werden, warum gerade die Unternehmen schlecht performen, die in den toll klingenden Ark Innovations ETFs von Cathie Wood zu finden sind.

Steht Bitcoins größte Prüfung bevor?

Durch die erstmalige Verbraucherpreisinflation, die wir in Europa und USA seit Bitcoins Geburt sehen, steht das digitale Asset vor einer großen Prüfung. Kann BTC auch in einem inflationären Marktumfeld, das nicht permanent von höheren Liquiditätsankündigungen von Fed, EZB und Co. gepusht wird, bestehen? Schließlich beweist sich gerade in diesen Phasen – höhere Inflation oder gar Stagflation bei gleichzeitigem Zurückfahren der expansiven Geldpolitik – welche Assets fundamental stark sind und welche nur mit der gesamten Masse hochgespült werden.

Da es bei Bitcoin keinerlei Erfahrungswerte für dieses neue geldpolitische Marktumfeld gibt, ist es sehr spannend zu sehen, wie sich BTC in den nächsten Monaten schlagen wird. Zur Beschwichtigung muss man allerdings anmerken, dass die Wende der Notenbanken nur mit äußerster Vorsicht vorgenommen wird. Schließlich hängt nicht nur Bitcoin, sondern der gesamte Aktiensektor am Tropf der großen Notenbanken. Gerade bei der EZB findet die Straffung der Geldpolitik daher eher in homöopathischer Dosierung statt.

Der Blick weg von der Makro-Korrelation

Auch wenn sich Bitcoin nicht dem Makrogeschehen entziehen kann, wäre es zu simpel nur auf das allgemeine makro- und geldpolitische Umfeld zu schauen. Wichtiger als das US-Dollar-Zinsniveau ist langfristig die Frage, wie sich die Massenadoption entwickelt. Kurzum: wie viele Menschen auf dieser Welt halten und nutzen Bitcoin. Es wäre eine Katastrophe, wenn die Zahlen der Bitcoin-Adressen, insbesondere der aktiven BTC-Adressen, dauerhaft rückläufig wären. Genau das ist aber nicht der Fall. Trotz der Marktturbulenzen und dem Krypto-Verbot in China im Frühling 2021 steigen die Bitcoin-Nutzerzahlen unaufhaltsam, wie die Zahlen von Glassnode oder Statista belegen.

Dieser Netzwerkeffekt, begleitet von einer steigenden Anzahl an Nodes und einer robusten Hashrate, sind die fundamental wichtigsten Faktoren für die langfristige Bitcoin-Kursentwicklung. Flankiert beziehungsweise unterstützt wird diese Massenadaption durch eine Zunahme an etablierten Unternehmen und Banken, die anfangen Bitcoin zu unterstützten.

Bitcoin: Zwischen Sparkassen und Adidas NFT-Kollektionen

Zum einen profitiert Bitcoin als Krypto-Leitwährung indirekt auch davon, wenn beispielsweise Blockchain-Anwendungen durch NFTs, Gaming, Metaverse, DeFi etc. stärker nachgefragt werden und Unternehmen wie beispielsweise Adidas nun NFT-Kollektionen herausgeben.

Zum anderen profitiert Bitcoin, wenn etablierte Finanzinstitute wie Sparkassen und Volksbanken BTC ihren “Segen geben” und planen diesen auch in ihre Geschäftsmodelle zu integrieren, wie aktuell diskutiert. Gerade letzteres würde die Hürden für weniger digital-affine und konservative Anleger massiv nach unten absenken.

Was ist mit dem BTC-Zyklus?

Neben den makroökonomischen Rahmenbedingungen und der Krypto-Adoption spielt erfahrungsgemäß der Bitcoin-Zyklus eine große Rolle. Dieser wird vor allem durch das oft verwendete Stock-to-Flow-Modell dargestellt. Momentan sieht es diesbezüglich weniger gut aus. Gemäß dem Modell und des zeitlichen Abstandes zum nächsten BTC Halving müsste sich Bitcoin eigentlich in den letzten Zügen seiner Endrallye befinden – und über 100.000 US-Dollar notieren. Doch anstatt neue Allzeithochs hat der Dezember eine größere Korrektur mit sich gebracht.

Für wie relevant man den Bitcoin-Zyklus einschätzt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Nur weil dieser historisch gut funktioniert hat, muss das nicht bedeuten, dass er es auch in Zukunft tut. Gerade dann, wenn das Gros der Marktteilnehmer extrem selbstsicher ist und jeder mit einer Jahresendrallye rechnet, wie sie es bei BTC und auch im Aktiensektor der Fall war, kommt es öfter anders. Die Märkte suchen dann nicht den direktesten Weg, sondern den Weg des größten Schmerzes. So beschreibt es gerne der Investment-Guru Raoul Pal, der das Ende des gegenwärtigen Bitcoin-Zyklus erst Mitte nächsten Jahres sieht.

Welche Prognose auch immer eintreffen mag, wer sich als Hodler begreift und nicht auf die kurzfristige Spekulation aus ist, kann sich entspannt zurücklehnen und aus dem Rückspiegel die Kursentwicklung nachvollziehen.

In diesem Sinne auf ein erfolgreiches und spannendes Krypto-Jahr 2022!

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