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DeFi-Monitor Ist DeFi eine Gefahr für das internationale Finanzsystem?

Eine einflussreiche internationale Organisation hat DeFi unter die Lupe genommen und glaubt, dass diese das etablierte Finanzsystem untergraben könnten.

Leon Waidmann
 |  Lesezeit: 3 Minuten
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DeFi

Spätestens seit der Kampfansage von SEC-Chef Gary Gensler ist klar: DeFi ist den etablierten Aufsichtsbehörden ein Dorn im Auge. Denn wirklich dezentrale Protokolle lassen sich derzeit nur sehr schwer in die traditionellen Rechtsstrukturen vieler Länder integrieren. Zentrale Anlaufstellen, die sich regulieren lassen, fehlen im DeFi-Space oftmals. DeFi-Protokolle wie Uniswap, SushiSwap, Compound und Aave haben beispielsweise keine festen Firmensitze, sondern werden von dezentral organisierten Arbeitsgruppen gemeinsam entwickelt.

Der Service von wirklich dezentralen DeFi-Protokolle ist daher nur schwer zu regulieren. Man kann den Service somit mit kollektiven Gütern vergleichen, die sich von jedermann zu jeder Zeit ohne Einschränkungen nutzen lassen. Dass das dazu führt, dass auch Kriminelle diese Plattformen nutzen, liegt auf der Hand. Vor allem aus diesem Grund wollen Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt immer härter gegen DeFi vorgehen.

“DeFi untergräbt das etablierte Finanzsystem”

Umso weniger überraschen ist es, dass nun auch der Finanzstabilitätsrat (FSB) auf DeFi aufmerksam geworden ist. Die internationale Organisation ist für die Überwachung des globalen Finanzsystems zuständig. Sie berät die Politik der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) bei der Gesetzgebung in der Finanzwelt. In einem neuen Bericht, den der FSB am 16. Februar veröffentlicht hat, warnt die internationale Organisation davor, dass DeFi-Protokolle das Vertrauen in das globale Finanzsystem untergraben könnten, weil sie als Alternative zu etablierten Finanzstrukturen gesehen werden könnten.

Das größte Risiko sieht der FSB jedoch in der Verwendung von Stablecoins in DeFi-Protokollen. Das Überwachungsorgan glaubt, dass der Mangel an Gesetzen, Marktaufsicht und niedrigen Cybersicherheitsstandards eine ernsthafte Bedrohung für das globale Finanzsystem darstellt. So schreibt der Rat:

Wenn der Sektor weiter an Größe zunimmt, könnte die Ausprägung dieser Schwachstellen Auswirkungen auf das Funktionieren und das Vertrauen in das Finanzsystem im Allgemeinen haben.

Da viele dieser DeFi-Protokolle extrem abhängig von einzelnen Stablecoins sind, ist der FSB der Meinung, dass der Ausfall eines einzelnen eine Kettenreaktion auslösen könnte.

Viele Stablecoins würden nämlich zum Traden von Token, der Aufnahme und Vergabe von Krediten verwendet. Der Zusammenbruch eines einzelnen Stablecoins könnte somit den gesamten Krypto-Markt aus dem Gleichgewicht bringen. Darüber hinaus könnte das dazu führen, dass die Liquidität im breiteren Krypto-Ökosystem plötzlich eingeschränkt wird, was den Handel stört und möglicherweise zu heftigen Liquidationen am Markt führt, die aufs globale Finanzsystem überschwappen.

Regulierung von Stablecoins als oberste Priorität

Der FSB will daher die Entwicklung und Risiken am DeFi-Markt weiterhin beobachten und die Maßnahmen, die die FSB-Länder ergriffen haben oder zu ergreifen gedenken, genau verfolgen, um den damit verbundenen Gefahren für das Finanzsystem zu begegnen.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass er FSB vor allem an der strengen Regulierung von Stablecoins interessiert ist.

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