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Non-fungible Token Warum brauchen NFTs einen Bilderrahmen?

Kauft man sich ein NFT, nur um es zu besitzen, oder auch, um es auszustellen? Und genügt dafür nicht auch ein ausrangiertes iPad?

Marlene Müller
 |  Lesezeit: 4 Minuten
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NFT-Wimmelbild

Beitragsbild: Shutterstock

Der deutsche Philosoph und Soziologe Georg Simmel schrieb bereits 1902: “Was der Rahmen dem Kunstwerk leistet, ist, dass er diese Doppelfunktion seiner Grenze symbolisiert und verstärkt. Er schließt alle Umgebung und also auch den Betrachter vom Kunstwerk aus und hilft dadurch, es in die Distanz zu stellen, in der allein es ästhetisch genießbar wird.”

Für die Kunsthistorikerin Dr. Susanne Rennert passen NFTs und Bilderrahmen nicht zusammen, sie scheinen in gewisser Weise ein Paradox zu sein. Zu BTC-ECHO sagte sie: “Die Rahmung von NFTs scheint unter anderem zu verfolgen, das Werk zusätzlich zu auratisieren, sozusagen als Kunst zu definieren.”

Aber welch einen Rahmen braucht das NFT, um als Kunst zu gelten? Reicht ein einfaches iPad, ein digitaler Bilderrahmen oder muss es ein spezieller NFT-Bilderrahmen sein? Für die beiden Gründer des Darmstädter Start-ups Future Frames UG ist vollkommen klar, dass es spezielle Bilderrahmen sein sollten und dass NFTs auch ohne Rahmen Kunstwerke sind.

Firmengründer Jan Peter Macedo Aldick zu BTC-ECHO: “Kunstwerke kauft man, um sie zu betrachten, und dazu müssen sie aktuell noch in der physischen Welt ausgestellt werden. Bislang fehlen uns noch Technologien, um vollkommen im virtuellen Raum zu sein. Deshalb ist es ein nahezu logischer Schritt, dass die Besitzer:innen ihre Werke in der physischen Welt verankern möchten.” Sein Partner Leon Ehmann: “Außerdem sind die Werke häufig zu teuer, als dass sie in der Hosentasche verschwinden sollten.” Die Unternehmer: “Immer mehr Galerien kuratieren digitale Kunstwerke und dafür bedarf es einer professionellen Darstellung.”

Aber reicht dafür nicht doch ein iPad?

Die technisch aufwendigen Grafiken dieser “neuen” Kunst lassen sich für solche Zwecke schlecht auf herkömmlichen Displays zeigen. Selbst das größte und neueste iPad von Apple hat “nur” eine Auflösung von 2.732 x 2.048 Pixel. Die Standardauflösung für NFT-Frames sollte jedoch, wie Aldick und Ehmann von Future Frames UG erklären, bei 3.840 x 2.160 Pixel liegen. Damit könnte garantiert werden, dass die teils video-, teils bildbasierten NFTs adäquat dargestellt werden können. Zudem erweitern viele Kunstschaffende ihre digitalen Werke um Musik oder 3D-Elemente, die oftmals von herkömmlichen digitalen Rahmen gar nicht abgebildet werden könnten.

Der jedoch wohl entscheidendste Vorteil der als NFT-Bilderrahmen designten Produkte könnte aber sein, dass sie über eine Software verfügen, die garantiert, dass das angezeigte NFT der Person tatsächlich gehört. Wie Ehmann sagt: “Die Software des Frames verbindet sich zugleich mit dem eigenen Wallet und authentifiziert so den Besitz der gekauften NFTs.” Das heißt, dass es gar nicht möglich ist, Bilder oder NFTs zu zeigen, für die man nicht bezahlt hat. Vorteile, die sich die Unternehmer aber auch teuer bezahlen lassen. Ihr kleinster Rahmen von 24 Zoll (ca. 61 cm) kostet aktuell 1.349,90 Euro. Auf diesem Rahmen könnten alle NFTs via App-Steuerung angezeigt werden, die in der eigenen WalletConnect-fähigen digitalen Börse gespeichert sind.

NFT-Bilderrahmen sind ein Nischenprodukt

Weltweit gibt es neben Future Frames UG einige wenige Anbieter:innen von Bilderrahmen für NFTs. Beispielsweise Infinite Objects. Dieses Unternehmen hat den Ansatz, größtenteils Video-NFTs unveränderbar auf die Rahmen unterschiedlicher Größe zu speichern. Sogar NBA Top Shot kooperiert mit Infinite Objects. So können Fans ihre Lieblingsbasketballmomente als NFT erwerben und anschließend in die durchsichtigen Rahmen einspeisen lassen. Dabei steht das “infinite” auch dafür, dass die Video-Loops konstant durchlaufen – außer man entfernt die Batterie. Die Kosten für einen solchen Rahmen liegen zwischen 70 und 400 Euro.

Ein anderer Rahmen ist der Meural Frame von Netgear. Allerdings ist die Auflösung der Geräte dort noch geringer als die des neuesten iPads. Auch bei Meural wählt man per App die anzuzeigenden NFTs aus. Dazu hat man eine Bibliothek im Hintergrund, über die man neue Kunstwerke erwerben kann. ­Darüber hinaus passt sich der Rahmen den Lichtzuständen im Raum an, um das optimale Bild-Erlebnis zu garantieren.

NFT-Bilderrahmen – ja oder nein?

Ob es die neueste Bilderrahmen-Technik für die NFTs sein muss, nur ein iPad oder ein handelsüblicher digitaler Bilderrahmen, ist eine Frage des Geldbeutels, aber eben auch des eigenen Anspruchs. Fest steht: NFTs sind und bleiben anders als alles, was die Kunstwelt bislang in Bilderrahmen packte.

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