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Strategiewechsel? Meta und die Krypto-Pläne: Warum das Aus von Diem nur Ablenkung war

Nach dem Aus des Meta Stablecoins Diem könnte man meinen, dass der Social-Media-Konzern genug von der Krypto-Ökonomie hat. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Warum Meta mit Krypto-Dienstleistungen jetzt erst richtig loslegt und warum eigene Wallets wichtiger sind als eigene Stablecoins.

Sven Wagenknecht
 |  Lesezeit: 5 Minuten
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Beitragsbild: Shutterstock

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Die Meldung, dass das damalige Facebook eine eigene Kryptowährung plante, schlug im Jahr 2019 ein wie eine Bombe. Weltweit waren Regierungen und Aufsichtsbehörden alarmiert. Vor ein paar Tagen wurde nun bekannt, dass der Stablecoin seitens Meta, wie sich Facebook nun nennt, und seinem vermeintlich unabhängigen Diem-Verband ad acta gelegt wird. Die Technologie und das Know-how soll indessen an die Krypto-Bank Silvergate weiterverkauft werden. Die US-amerikanische Regierung hat damit gesiegt – zumindest vorerst.

Facebook Diem: Das strategische Opfer

Das Image von Facebook ist angeschlagen. Ob Datenskandale, die Beeinflussung von politischen Wahlen oder das neue Großprojekt Metaverse: Der Konzern steckt in einem regulatorischen und zivilgesellschaftlichen Mehrfrontenkrieg. Gleichzeitig droht der versuchte Imagewechsel durch das Rebranding von Facebook zu Meta zu verpuffen. Das geplante Metaverse schürt bei vielen Menschen dystopische Vorstellungen.

Entsprechend nachvollziehbar ist nun das Opfer Diem. Das Währungsprojekt war ohnehin nur noch eine Karikatur seiner ursprünglichen Idee. Von einer Superwährung blieb nur noch ein unkonkretes Stablecoin-Konzept übrig, das keine wirkliche Innovation versprach. Unmittelbare wirtschaftliche Motive dürften bei der Entscheidung nur sekundär gewesen sein. Mit dem Schachzug eines Verkaufs bringt man sich vielmehr aus der Schusslinie der Behörden und Zivilgesellschaft. Diem war es nicht mehr wert, sich die Hände schmutzig zu machen.  

Schuster, bleib bei deinen Leisten

Zuletzt hieß es sogar aus dem Hause Diem, dass der US-Dollar-Stablecoin nur eine Übergangslösung hätte darstellen sollen. Solange, bis der „richtige“ digitale US-Dollar von der amerikanischen Zentralbank herausgegeben wird – Andeutungen einer Totgeburt. Auch hat sich der Stablecoin-Sektor seit 2018 signifikant weiterentwickelt. Alternativen zum Nr. 1 Stablecoin Tether USDT, wie USDC oder Binance USD, nehmen weiter an Fahrt, und vor allem Vertrauen, auf.

Gleichzeitig wurde fast zeitgleich mit dem Diem-Aus bekannt, dass auch PayPal an einem eigenen Stablecoin arbeitet. Für PayPal mag es hinsichtlich der Kernkompetenzen respektive des Geschäftsmodells naheliegender sein, einen US-Dollar-Stablecoin herauszubringen, als für Meta. Eine Konfrontation, auf die der Social-Media- und neuerdings auch Metaverse-Konzern sicherlich gerne verzichtet.

Wer braucht schon eine Pseudo-Blockchain?

Dass die Governance der Diem-Association mit seiner Mitgliederstruktur als problematisch angesehen werden kann und diese nur wenig mit Dezentralität und noch weniger mit Blockchain zu tun hat, ist dem Konzern anscheinend ebenfalls bewusstgeworden. Entsprechend gibt man sich mit seinen Krypto-Plänen nun offener beziehungsweise transparenter. So ist Meta kürzlich der Crypto Open Patent Alliance (COPA) von Twitter-Gründer und Block-Vorstand Jack Dorsey beigetreten.

Hintergrund der Mitgliedschaft ist, dass die Unternehmen erklären, nicht gegen die Verletzungen ihrer Krypto-Patente vorzugehen, ergo mehr Open Source werden. So löblich diese Initiative auch sein mag, wirkt sie ein wenig wie Marketing, die das angeschlagene Image aufbessern soll. Zumal man die Frage stellen könnte, warum es bei Krypto-Projekten überhaupt Patente geben muss, wenn diese doch im Kern offen für Jedermann sein sollen.

Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen:

Auf die Wallet kommt es an

Die Lossagung von Diem bedeutet allerdings nicht weniger Krypto, sondern mehr Krypto im Meta-Konzern. So hatte man bereits im Dezember 2021 mit dem Stablecoin Pax Dollar (USDP) Zahlungsdienstleistungen via WhatsApp gestartet. Einzelne US-Kunden können so bereits die hauseigene Wallet Novi nutzen.

Genauso wie das Bankkonto der Dreh- und Angelpunkt einer Geschäftsbeziehung im traditionellen Finanzmarkt ist, ist die Wallet das Epizentrum der Token-Ökonomie. Das Banking der Zukunft wird von Wallets und nicht mehr von klassischen Bankkonten ausgehen, ganz gleich, ob bei Bitcoin oder dem digitalen Euro. Ein eigener Stablecoin wäre in diesem Kontext lediglich die Kirsche auf dem Sahnehäubchen, nicht aber obligatorisch für die eigenen Krypto-Pläne.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Auch das alte Diem-Narrativ “Banking the Unbanked” wird weiterhin von Meta verfolgt. Dies zeigt die kürzlich vorgenommene Eintragung von Meta in das brasilianische Handelsregister. Dort schreibt man, dass man Hardware sowie Software für Bitcoin und Krypto-bezogene Dienstleistungen herausgeben möchte.

Meta setzt damit die Strategie fort, die bereits bei Diem galt, nämlich verstärkt auf Länder mit schwach ausgeprägter Bankeninfrastruktur zu bauen. Mit rund 127 Millionen Meta-Nutzern ist Brasilien daher hochinteressant für den Konzern.

Die Reise hat gerade erst begonnen

Natürlich ist die Novi Wallet auch eine Grundvoraussetzung für das geplante Metaverse. So hieß es bereits, dass die Novi Wallet in der Lage sein soll, NFTs zu verwahren. Meta hat verstanden, dass es mehr denn je auf die Krypto-Ökonomie zugehen muss, um seine übergeordnete Metaverse-Strategie umzusetzen.

Gleichzeitig möchte der Konzern möglichst viel Kontrolle, ergo zentrale Entscheidungsgewalt, bei sich behalten wie möglich. Schließlich basiert das Geschäftsmodell auf den Datensilos des Konzernes. Sollten diese durch eine übermäßige Dezentralisierung auslaufen respektive austrocknen, dann wäre auch das Geschäftsmodell von Meta am Ende.

Entsprechend dürfte sich der Widerspruch zur Krypto-Ökonomie von Diem auch bei Meta weiter fortsetzen. Bitcoin-Integrationen bei WhatsApp und NFTs im eigenen Metaverse werden daran nichts ändern.

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