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Der Kampf um die Gamesbranche NFTs in Animal Crossing? Ex-Nintendo-Chef zieht Gamer-Hass auf sich

Kein Thema spaltet die Gamesbranche so wie die Blockchain. Der Ton wird rauer. Das zeigt ein jüngstes Beispiel. Ist die Adoption aufzuhalten?

Giacomo Maihofer
 |  Lesezeit: 4 Minuten
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NFT Animal Crossing Nintendo Switch

Beitragsbild: Shutterstock

| Das Spiel "Animal Crossing" auf einer Nintendo Switch.

NFTs im geliebten Videospiel Animal Crossing? Den meisten Gamern dürfte die Vorstellung eiskalt einen Schauer über den Rücken jagen. Der Ex-Präsident der US-amerikanischen Abteilung von Nintendo, Reggie Fils-Aimé, sieht darin die perfekte Hochzeit. Und zieht damit den Spott der Community auf sich.

Auf dem diesjährigen Festival South by Southwest (SXSW) in Austin, Texas outete sich der Medienmogul letzte Woche als großer Fan der Blockchain. Fils-Aimé war von 2006 bis 2019 bei Nintendo. “Ich glaube an die Technologie”, erklärte der 61-Jährige auf einem Panel.

“Ich wette, es gäbe hier im Publikum einige Leute, die mir meine Insel in Animal Crossing abkaufen würden”, sinnierte der Ex-Chef von Nintendo. Blockchain ermögliche das, dank des sogenannten “Play-To-Own”-Konzepts. Ein Traum – oder nicht?

“Tut mir leid, Regginator. Nintendo wird sich nie darauf einlassen”, antwortete Kotaku prompt, eine der größten Videospielwebseiten der Welt. Und trat genüsslich nach: “Aber hey, du kannst ja einfach ein wertloses NFT deiner Animal-Crossing-Insel verkaufen, wenn du wirklich die Zeit monetarisieren willst, du die mit einem Videospiel verbracht hast, und dabei eine furchtbare Technologie nutzen, die die meisten Gamer hassen.” Ouch.

Die Kommentarspalte unter der Meldung liest sich wie eine endlose Litanei der Bösartigkeiten und Verwünschungen. So wie mittlerweile eigentlich immer, wenn das Krypto-Thema in der Gaming-Szene aufkommt. NFTs und Blockchain sind absolute Reizwörter geworden. Allein ihre Erwähnung in den sozialen Medien triggere mehr Leute als die Wörter “Lauterbach‘, ‚Drosten‘ und ‚Ricarda Lang‘ zusammen”, stellte Petra Fröhlich, Gründerin der Fachzeitschrift Gameswirtschaft, schon im Februar 2022 fest.

Das Problem: Bisher wirken die meisten Pitches für Play-To-Earn und NFTs in Games laut Fröhlich wie ein “Gulasch aus nichtsnutzigem Spekulatentum, obszönem Energiebedarf und erheblichem Abzock-Potenzial”. Ihre Befürworter könnten den konkreten Nutzen einer Blockchain-Implementation selten überzeugend erklären. Selbst gut gewillten Beobachtern implodiere regelmäßig das Kleinhirn.

Auch viele Entwickler lehnen NFTs ab

Zaghafte Blockchain-Vorstöße namhafter Publisher wie Ubisoft oder Electronic Arts aus den vergangenen Monaten quittierte die Szene fast reflexhaft mit Shitstorms kolossalen Ausmaßes. Bisher ruderte jeder klassische Gameskonzern sofort wieder zurück. Selbst ihre eigenen Entwickler gehen teilweise auf die Barrikaden. Und werden dafür in der Szene wie Helden gefeiert.

“Hoch lebe der beneidenswerte französische Zeitvertreib, dem Management zu sagen, dass es sich selbst ficken soll”, jubelte beispielsweise Kotaku, als Mitarbeiter von Ubisoft sich öffentlich mit harscher Kritik gegen die NFT-Pläne ihrer Firma aussprachen. Ein Dutzend Entwickler startete diese Woche eine Petition gegen “ausbeuterische NFTs”, darunter Game Designer von Minecraft. Ein tiefer Riss geht durch die Branche.

Ein Gameskonzern geht all in beim Thema Blockchain

Dass sich das Thema auf Dauer nicht wegshitstormen lässt, zeigt jedoch eine weitere Meldung dieser Tage. Square Enix, einer der größten Videospielkonzerne der Welt, baut das Geschäftsmodell seiner Spiele auf Blockchain, Metaverse und NFTs um. Und trennt sich dafür von fast 50 Spielemarken, die in dieser neuen Ära keinen Platz mehr haben, darunter das legendäre Tomb Raider. Der japanische Konzern verkauft die Marken nebst Entwicklerstudios mit über 1.400 Mitarbeitern an die schwedische Embracer Group, zu einem Spottpreis von 280 Millionen Euro.

Zum Vergleich: Selbst für einen Düsseldorfer Mittelständler wie Astragon Entertainment, das Studio hinter dem Bus Simulator, zahlte man zuletzt 100 Millionen Euro. Square Enix sendet ein klares Signal: Die Zukunft der Branche sieht es im Land der Blockchain. Klassische Games haben keinen nennenswerten Wert mehr.

Der Markt scheint zuzustimmen: Die Aktie von Square Enix stieg nach Bekanntwerden des Deals um vier Prozent, die Embracer Group verlor hingegen drei Punkte. Und wie reagieren die Gamer?

Dreimal dürft ihr raten.

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